Die Verkehrspädagogik der Rheinbahn: Mit dem „rollenden Klassenzimmer“ zur richtigen Verkehrserziehung

Unfälle passieren schneller als man denkt – und gerade im Straßenverkehr können diese schlimme Folgen haben. Besonders Kinder und Jugendliche muss man für die Gefahren sensibilisieren und präventiv schulen. Hier setzt die Arbeit des Teams „Verkehrspädagogik“ an. Mit verschiedenen Projekten vermittelt sie unseren jungen und älteren Fahrgästen das richtige Verhalten, um Unfällen zu vermeiden und den täglichen Weg – zum Beispiel zur Schule – sicher zu meistern. Eine Aufgabe, die mit viel Verantwortung verbunden ist – aber auch mit viel Spaß und Abwechslung.

Drei für alle Fälle
Seit dem Start der Verkehrspädagogik bei der Rheinbahn mit dabei und unter anderem diejenige, die die grundlegenden Konzepte der Projekte „Bus- und Fahrzeugbegleiter“ und „Busschule“ mitentwickelt hat: Ina Baumann. Die ausgebildete Lehrerin setzt sich seit knapp 20 Jahren für die Projekte der Verkehrspädagogik ein. Als Hauptmoderatorin kümmert sie sich um die Verkehrserziehung der Schüler in Düsseldorf und Umgebung.

Fahrer Stefan Norff übernimmt verschiedene Module der Busschule und bewegt natürlich auch das „rollende Klassenzimmer“. Stationiert ist er im Betriebshof Heerdt – und schon seit 29 Jahren bei der Rheinbahn. Neben seinen Kompetenzen in den Bereichen Moderation und Erwachsenenbildung absolvierte er unter anderem auch eine Anti-Gewalt-Ausbildung und machte einen Trainerschein.

Laura Paradiso verstärkt das Team Verkehrspädagogik seit 2018 und wird den Bereich 2021 von Ina Baumann übernehmen. Während ihres Studiums unterrichtete sie unter anderem mehrere Jahre nebenbei an Grundschulen und weiterführenden Schulen, gab Förderunterricht oder vermittelte Deutsch als Fremdsprache.

Zusätzlich zu den drei Hauptmoderatoren wird das Team bei den Busschul-Terminen von drei Kollegen aus dem Fahrdienst unterstützt: Silke Russ, Holger Lohmann und Thomas Thiel ergänzen das Team abwechselnd als Fahrer und Nebenmoderatoren. Als Experten wissen sie ganz genau, wovon sie sprechen. Sie fahren die Schüler nicht nur, sondern übernehmen auch Teile der Verkehrserziehung.

Der Fokus liegt im Jugendbereich
Der Zeitplan des Teams ist vollgepackt: das Projekt Busschule, die Bus- und Fahrzeugbegleiter-Projekte, die Seniorenveranstaltungen, die Rollatorentage und zukünftig auch noch ein E-Scooter-Training. Auch die Mitorganisation der jährlich stattfindenden Mobilitätsspiele fällt in den Aufgabenbereich der Verkehrspädagogik. Und nicht zu vergessen: jede Menge Organisation und Planung, Vorbereitung und Nachbereitung.

Ohne die Kooperation und Unterstützung von städtischen Partnern und anderen Institutionen wie Jugendamt, Schulverwaltungsamt, Amt für Verkehrsmanagement, Schulleitungen, Polizei, Verkehrswacht oder Seniorenrat wären die meisten Veranstaltungen nicht möglich. Die Vernetzung und der regelmäßige Austausch mit den verschiedenen Partnern sind wichtig für eine gute, stabile, erfolgreiche und langfristige Zusammenarbeit.

Der Kern der Verkehrspädagogik – die Busschule
Den Kern der Arbeit machen die Veranstaltungen mit Schülern und Jugendlichen aus: Das größte Projekt und damit die meiste Arbeit des Teams nimmt die Busschule ein. Die Idee dafür entstand vor mittlerweile fast 20 Jahren nach massiven Probleme und drei schweren Unfällen im Meerbuscher Schülerverkehr. Lösungen mussten her, und so entschied man sich dazu, die Schüler präventiv für das richtige Verhalten im täglichen Umgang mit Straßenbahnen und Bussen zu schulen und zu trainieren – der Beginn der Busschule. Gemeinsam mit Angela Teuchert, Betriebspsychologin der Rheinbahn, entwickelte Ina Baumann damals das Konzept, das der Busschule zugrunde liegt. Als „lebendes Konzept“ wird es stetig weiterentwickelt und optimiert, um so genau wie möglich auf die individuellen Bedürfnisse der Schüler bezüglich der unterschiedlichen Schulformen, des Nutzungsverhaltens (Bus oder Bahn), der geografischen Lage der Schulbushaltestellen und der lernpsychologischen und pädagogischen Entwicklung einzugehen.

Jährlich stehen für rund 75 Klassen der 4. und 5. Jahrgangsstufen Schulungen in Sachen Mobilitäts-, Handlungs- und Sozialkompetenz sowie Bewusstseinsbildung für den ÖPNV auf dem Stundenplan. Besonders der Wechsel auf die weiterführenden Schulen stellt Schüler oft vor unbekannte Herausforderungen: War der Weg zur Schule in der Grundschule meist noch kürzer und unkomplizierter zu erreichen, sieht das nach dem Wechsel anders aus. Oft ist der sinnvollste Weg der mit Bus und Bahn. Damit die Schüler wissen, wie sie sich im Alltag verhalten sollen, erhalten sie im Rahmen der Busschule ein Sicherheitstraining. Ziel ist es, Unfälle in Bus und Bahn zu reduzieren und die Teilnehmer in ihrer Mobilitätskompetenz zu stärken. Aber auch ein rücksichtvoller Umgang mit anderen Fahrgästen und unseren Kolleginnen und Kollegen aus dem Fahrbetrieb steht auf dem Stundenplan.

Die Arbeit trägt Früchte
Eine Studie der Universität Wuppertal von 2005, die sich mit dem verkehrspädagogischen Projekt „Busbegleiter“ in Meerbusch beschäftigte, zeigte unter anderem eine Unfallreduktion von 75 Prozent und einen deutlichen Vandalismus-Rückgang. Eine zweite Studie der Universität Wuppertal von 2008, herausgegeben von der Eugen-Otto-Butz-Stiftung über die Busschule in Hilden, stellte außerdem eine gestiegene Sozialkompetenz der Schüler fest. Die Inhalte entsprechen dem realen Unfallgeschehen, führen zu einer hohen Lernzielerreichung und gesteigerten Mobilitätskompetenz. Auch die gute Bewertung durch Schüler, Lehrer und Eltern spricht für die Busschule. Aber diese Fakten sind nicht die einzigen Früchte, die das Team für seine Arbeit erntet: „Die Freude und Begeisterungsfähigkeit der Schüler und anderer Teilnehmer ist ein schöner Ansporn für unser Team“, erklärt Ina Baumann. Auch die gute und nachhaltige Zusammenarbeit mit allen Kooperationspartnern ist das Geheimnis der erfolgreichen Arbeit.

Informationen zur Autorin:

Michelle Psiuk arbeitet als Werkstudentin in der Unternehmenskommunikation. Nebenbei studiert sie an der Heinrich-Heine-Universität Anglistik und Kommunikations- und Medienwissenschaft.