Bügel zählen – warum das? Eingleisigkeit auf der Stadtbahnlinie U79

Für eine bessere Anbindung an den Flughafen plant die Stadt Düsseldorf eine neue Stadtbahnlinie – die U81. In der ersten Bauphase soll der Abschnitt vom Freiligrathplatz bis zum Flughafen-Terminal realisiert werden, so dass zukünftig eine direkte Verbindung zwischen Hauptbahnhof und Flughafen-Terminal möglich ist.

Das hat besonders bei Veranstaltungen auf dem Messegelände oder in der Arena einen hohen Wert, da die die Besucher direkt ab dem Flughafen-Terminal an ihr Ziel kommen, die Wege und Fahrzeiten kürzer sind und alle Verbindungen in die Innenstadt entlastet werden.

Quelle: Stadt Düsseldorf (https://www.duesseldorf.de/verkehrsmanagement/mit-bus-und-bahn/stadtbahnstrecke-u81/1-ba-flughafen-terminal.html)

Der erste Bauabschnitt betrifft die Stadtbahnlinie U79

Dafür sind umfangreiche Bauarbeiten notwendig: Zwischen dem Freiligrathplatz und der Brücke zur B8 wird ein Brückenwerk für die neue U81 gebaut. Die Lage der vorhandenen Gleise der Stadtbahnlinie U79 muss angepasst werden, damit die neue Stadtbahntrasse in der Mitte zwischen den heutigen beiden Stammgleisen der U79 aufsteigen und abzweigen kann.

Dafür müssen die U79-Gleise auf einer Länge von rund 370 Metern aufgespreizt und neu verlegt werden. Während der ersten Sperrpause werden Teile der Gleise zurückgebaut und ein neues provisorisches Gleis mit Abstand zum ursprünglichen Gleis verlegt, damit Platz für den Bau des Brückenwerks entsteht. Als erstes wird das Gleis in Richtung Duisburg gesperrt und abgebaut.

Die Herausforderung: Bauen entlang von Gleisen mit laufenden Betrieb

Damit die Verlegung der Gleise schrittweise ausgeführt und die U79 trotzdem weiter fahren kann, wird zwischen den Haltestellen „Freiligrathplatz“ und „Lohausen“ auf einer Länge von etwa 400 Metern ein eingleisiger Abschnitt eingerichtet – das bedeutet, dass die Bahnen in beiden Richtungen über ein Gleis geführt werden. Im Vergleich zu einer Gesamtsperrung des Abschnitts, bei der wir Ersatzbusse einsetzen müssten, merken die Fahrgäste von der eingleisigen Strecke kaum etwas. Bei einer so wichtigen und stark genutzten Linie wie der U79 ist es wichtig, einen länger andauernden Umstieg in Busse sowie andere Auswirkungen für unsere Fahrgäste zu vermeiden.

Sicherheit geht vor

Damit alles sicher ist, sorgt eine Signalanlage auf beiden Seiten der eingleisigen Strecke dafür, dass sich die Bahnen auf diesem Stück nicht begegnen. Die Anlage wurde extra für uns und die Linie U79 konfiguriert, sodass alles aufeinander abgestimmt ist. Sobald die Bahn vor dem eingleisigen Abschnitt ankommt, fordert sie bei der Anlage das Signal für die Durchfahrt an. Ist die Strecke frei, gibt die Anlage der Bahn ein Fahrsignal. Dann kann die Bahn den eingleisigen Abschnitt sicher befahren.

Über eine sogenannte „Bügelzählanlage“ wird ermittelt, ob das Fahrzeug den Abschnitt komplett verlassen hat. Diese erkennt anhand des Stromabnehmers (Bügel), dass eine Bahn in den eingleisigen Abschnitt hinein gefahren ist. Dieser Abschnitt wird erst für die andere Bahn freigegeben, wenn die Bahn – und zwar mit genau der gleichen Anzahl an Stromabnehmern, mit der sie reingefahren ist – den Abschnitt verlassen hat. Nun kann auch eine Bahn der Gegenrichtung in den Abschnitt einfahren, da dieser frei ist.

Aufgrund des dichten Takts auf der U79 kann es natürlich dazu kommen, dass eine Bahn kurz warten muss, da eine andere Bahn gerade auf dem eingleisigen Abschnitt fährt. Da es sich aber nur um ein paar hundert Meter handelt, wird der eingleisige Abschnitt schnell wieder frei und die wartende U79 kann weiterfahren.

Lebender Stab – Was ist denn das?

Sollte es auf der Strecke zu Störungen kommen, gibt es sogenannte „Notblinker“. Diese warnen die Fahrer, besonders vorsichtig zu fahren, damit es nicht zu einem Zusammenstoß kommen kann – eine zusätzliche Sicherheit. Sollte die Anlage einmal komplett ausfallen, kommt ein sogenannter „lebender Stab“ zum Einsatz. Die Funktion des Holzstabs, wie er früher zum Einsatz kam, übernimmt hierbei ein Mitarbeiter. Nur die Bahn, die den Stab mit an Bord hat, darf fahren. Somit wird auch im Fall einer Störung ein sicherer und zuverlässiger Betrieb gewährleistet.

Informationen zum Autor:

Lucas Bahl absolviert eine Ausbildung zur Fachkraft im Fahrbetrieb bei der Rheinbahn und ist im zweiten Lehrjahr. In der Unternehmenskommunikation bekommt er einen Einblick in das Thema interne und externe Kommunikation und formuliert betriebliche Themen verständlich für Fahrgäste und für unterschiedliche Medien.