Die Sommerbaustellen der Rheinbahn – manchmal nervig, trotzdem unverzichtbar!

Für viele Fahrgäste scheinen die Sommerbaustellen der Rheinbahn – wie die Gleisbauarbeiten an der Gladbacher Straße und die umfangreichen Arbeiten an der Münsterstraße – eine nervige Angelegenheit zu sein. Die Buslinie vor der Haustür wird verlegt, fährt Umleitungen und braucht zehn Minuten länger. Danach wird auch die Straßenbahn zur Arbeit großräumig umgeleitet und man muss dem Chef wieder mal eine Erklärung für die Verspätung liefern. Doch nicht nur die Rheinbahn baut in den Sommermonaten auffällig viel. Auch Bauvorhaben der Städte in unserem Bedienungsgebiet werden im Sommer durchgeführt. Da bleibt es nicht aus, dass unsere Fahrzeuge Umleitungen fahren müssen, obwohl es gar nicht unsere eigenen Baustellen sind – so wie zum Beispiel bei den Arbeiten der Stadt Düsseldorf an der Theodor-Heuss-Brücke vor wenigen Wochen. Für unsere Fahrgäste mag das den Anschein erwecken, dass wir stets an sämtlichen Bauvorhaben beteiligt sind – das ist nicht der Fall. Dennoch bauen wir natürlich auch: Aktuell zum Beispiel an der Verlängerung der 701 zum ISS-Dome (übrigens auch im Auftrag der Stadt), an Gleisen und Weichen im Stadtgebiet und an unseren Haltestellen, damit diese nach und nach barrierefrei werden. Aber warum wird ausgerechnet im Sommer so viel gebaut?

Der Grund dafür ist ganz simpel. Der Individualverkehr, sprich der ganz normale Pkw-Verkehr, ist in den Sommerferien viel geringer als außerhalb der Ferienzeit. Des Weiteren nutzen auch wesentlich weniger Fahrgäste den ÖPNV, da Arbeitnehmer Urlaub, Studierende vorlesungsfreie Zeit und Schüler Schulferien haben. Das ist der wesentliche Faktor, denn je weniger Verkehr auf den Straßen herrscht, desto geringer fallen die Störungen im Verkehrsfluss aus, die eine Sperrung hervorrufen

Verarbeitung der Baustoffe

Hinzu kommt, dass die Witterungsbedingungen im Winter maßgeblichen Einfluss auf die Verarbeitung der verwendeten Baustoffe haben. „Beton, Asphalt und Schotter können bei niedrigen Temperaturen nur sehr schwer oder gar nicht verarbeitet werden und können somit später erhebliche Schäden nach sich ziehen. “, erklärt Dipl.-Ing. Peter Ahrens, Leiter der Abteilung Fahrwege. Nachgelagert könnte dies erneut zu umfangreichen Bauarbeiten an den Gleisen und Haltestellen führen.

Lebensdauer der Gleise und organisatorischer Ablauf

Die generelle Lebensdauer eines Gleises ist abhängig von der Häufigkeit, in der das Gleis genutzt wird. Ein Gleis, wie eines der Wehrhahn-Linie, welches häufig befahren wird, hat einen höheren Verschleiß, als ein nur von einer Linie befahrenes Gleis, wie zum Beispiel das der Linie 709 in Neuss. Hinzu kommt, dass der Verschleiß auf geraden Strecken geringer ist, als auf Abschnitten mit Bögen. Im Schnitt werden Gleise alle 35 Jahre ausgetauscht. Weichenanlagen hingegen werden häufiger ausgetauscht, da dort die Belastung am höchsten ist. Auch dort ist die Lebensdauer wieder von der Befahrungshäufigkeit abhängig. Manche Weichen sind nach zehn Jahren abgenutzt, andere wiederum halten der Belastung 30 Jahre lang stand. Während dieser Zeit werden noch Bauvorhaben an den Gleisen und Weichen durchgeführt, wodurch viele Fahrgäste und Anwohner das Gefühl haben, wir würden ständig neue Gleise bauen. Sind die Mängel im Gleiskörper erkannt, müssen diese natürlich behoben werden. Doch wer setzt die Bauvorhaben um? Ist die Stadt Düsseldorf mit beteiligt?
Ahrens erklärt: „Bei Bauarbeiten am Schienennetz der Rheinbahn ist klar, dass wir selbst für die Instandhaltung und Erneuerung aufkommen. Wir treten eigenständig als Bauherr auf und übernehmen Planung und Überwachung. Danach werden die Bauvorhaben ausgeschrieben und Gleisbaufirmen können sich bewerben.“

Ist der Zuschlag erteilt, beginnen die Vorhaben recht zeitnah. Trotzdem kann nicht einfach darauf los gebaut werden, denn die zeitliche Abfolge wird über verkehrsrechtliche Anordnungen der Stadt bestimmt, die Straßensperrungen und Fahrbahnzuweisungen regeln. Hierfür gelten allerdings besondere Bedingungen. Oberste Prämisse ist, dass Feuerwehr und Rettungsdienste jederzeit die Gebäude entlang der Gleise erreichen können. Ferner müssen Anwohner in der Lage sein, ihre Häuser und Wohnungen zu erreichen und Arbeitnehmer zu ihrer Arbeitsstelle gehen können. Sollte einmal ein Bauzeitraum überschritten werden, wird in der Regel keine Baumaßnahme abgebrochen, sondern der Zeitraum der Sperrungen nach hinten verlängert. Dies kann jederzeit – meistens aufgrund von Witterungsbedingungen – geschehen, ist aber selten der Fall.

Die Stadt Düsseldorf beteiligt sich bei Gleisbauvorhaben der Rheinbahn nur dann, wenn alte Plastereindeckungen der Gleise gegen Asphalt ausgetauscht werden. Dafür erhält die Rheinbahn einen Kostenzuschuss der Stadt. Manchmal beteiligt sich die Stadt Düsseldorf auch bewusst an unseren Bauvorhaben. Wenn die Asphaltdecke einer Fahrbahn bereits marode ist und die Gleise neben der Fahrbahn ausgetauscht werden sollen, ist es mehr als sinnvoll, dass beides zeitgleich erledigt wird.

Ein Blick in die Zukunft

Auch zukünftig wird der Umfang der Baumaßnahmen in etwa gleich bleiben. Jedoch werden aufgrund des generell zunehmenden Verkehrs und der Vielzahl der Großveranstaltungen in Düsseldorf die Möglichkeiten der Umsetzung des Erneuerungsbedarfs nicht einfacher, erläutert Peter Ahrens.
Natürlich sind Verspätungen und Umleitungen durch Baustellen immer nervig, nicht nur für die Kunden. Auch für Fahrer, Leitstelle und unseren gesamten Betrieb sind große Baustellen eine organisatorische Herausforderung. Dennoch ist es absolut nötig, Gleise zu erneuern und Haltestellen auszubauen. Gerade bei den Gleisen würde ein nicht behobener Schaden, der unvorhergesehen auftritt und das Liniensystem an der betroffenen Stelle lahmlegt, für wesentlich mehr Verzögerung und Sperrungen sorgen, als ein durchdachtes Bauvorhaben, bei dem Umleitungen und Ersatzbusse eingerichtet werden können. Und wenn wir ehrlich sind, würde jeder doch lieber in kurzer Hose und bei Sonnenschein eine Haltestelle weiter laufen, als bei kaltem Wetter und Nieselregen.

2017-08-22T15:57:20+00:00 22. August 2017|Hinter den Kulissen|1 Kommentar

Über den Autor:

Fabian Gärtner
Fabian Gärtner studiert Politikwissenschaften an der Universität Duisburg/Essen und arbeitet als Praktikant in der Unternehmenskommunikation.

Ein Kommentar

  1. Maximilian 15. November 2017 um 9:04 Uhr - Antworten

    Der Nikolaus-Kopp-PLatz ist auf jeden Fall sehr schön geworden. Vor den Geschäften lichtet sich das Feld ebenfalls schon, die ersten Bauarbeiter ziehen ihre Gerätschaften ab. Ein gelungenes Projekt, und so lange hat es auch nicht gedauert wie viele glauben machen wollen.

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