Leise, sauber, leistungsstark: E-Busse der nächsten Generation

Nach der Eröffnung unseres neuen E-Bus-Ports in Heerdt zieht auch die nächste Generation der Elektrobusse ein. Was die 20 hochmodernen Fahrzeuge von VDL können, wie weit sie kommen und warum sie für Fahrgäste sowie Stadt und Region ein Gewinn sind, verraten unsere Projektleiter Elektromobilität, Arne Viertelhausen und Thomas Bönisch, im Interview.

Bei der Eröffnung des E-Bus-Ports Anfang September haben wir bereits einen der neuen batterie-elektrischen Gelenkbusse sehen dürfen. Was sind das für Elektrobusse?

Arne Viertelhausen: Tatsächlich ist dies der erste rein batterie-elektrische, 18 Meter lange Gelenkbus, den die Rheinbahn nun in Betrieb nimmt. Insgesamt liefert uns die niederländische Firma VDL 15 Gelenkbusse und dazu noch fünf Solobusse.

Der neue VDL-Batterie-Gelenkbus ist 18,1 Meter lang.

Die beliebte Frage vorab: Welche Reichweiten haben die VDL-Busse?

Thomas Bönisch: Die Reichweiten mit einer Batterieladung hängen von einigen Faktoren ab – unter anderem der Außentemperatur (Heizen oder Kühlen), dem Alterungszustand der Batterie, dem Fahrprofil und natürlich von der Fahrweise. Dennoch sagt uns der Hersteller VDL eine Reichweite von bis zu 337 Kilometern beim Solobus und bis zu 305 Kilometern beim Gelenkbus zu. Am Ende der Lebenszeit beträgt die Mindestreichweite bei widrigen Randbedingungen immer noch rund 250 Kilometer.

Die Reichweitenangaben hören sich vielversprechend an. Das ist im Vergleich doch deutlich mehr als früher, wie kommt das?

Arne Viertelhausen: Das stimmt, VDL verbaut beim Solobus ein Batteriesystem mit 429 Kilowattstunden und beim Gelenkbus mit 552 Kilowattstunden. Derart große Mengen an Energie und eine effiziente Heiz- und Klimatisierungsanlage tragen auch zu hohen Reichweiten bei.

Thomas Bönisch: Die technologische Entwicklung geht zudem immer weiter voran und Batteriezellen können bei gleichbleibendem Bauraum mehr Energie speichern als früher.

Wo sind die Batterien verbaut, passen die alle auf das Fahrzeugdach?

Thomas Bönisch: VDL hat das Modell Citea komplett neu entwickelt und konsequent auf Elektromobilität ausgerichtet. Das bedeutet, dass ein Großteil der Batteriepakete im Unterboden des Fahrzeugs untergebracht sind und nur noch zwei Pakete auf dem Dach. Das bringt den Schwerpunkt nach unten und bietet ein sehr angenehmes Fahrgefühl.

Arne Viertelhausen: Diese Neuentwicklung sieht man auch im Innenraum – da ist kein „Motorturm“ mehr im Heck, sodass ein sehr helles, luftiges Raum- und Platzangebot entsteht. Außerdem ist das Klimatisierungs- und Heizungssystem so konzipiert, dass auf eine mit Diesel betriebene Zusatzheizung an kalten Tagen vollends verzichtet werden kann.

Das heißt, die VDL-Elektrobusse sind komplett emissionsfrei?

Thomas Bönisch: Ja, im Fahrbetrieb werden keine Abgase und damit auch kein CO2 ausgestoßen. Somit genießen die Fahrgäste saubere Luft an den Haltestellen und auf der gesamten Strecke. Damit tragen die E-Busse zu einer höheren Lebensqualität in der Stadt bei und machen den öffentlichen Nahverkehr noch attraktiver. Daneben erzeugen Elektrobusse nicht so viel Abwärme, wie es bei Verbrennungsmotoren der Fall ist. Die Fahrgäste merken das an den Haltestellen, aber insgesamt ist das natürlich auch gut für das Stadtklima.

Insgesamt hat die Rheinbahn 20 Busse von VDL bestellt.

Wann und wo werden die Elektrobusse zukünftig zu sehen sein?

Arne Viertelhausen: Geplant war der Einsatz mit der Eröffnung des E-Bus-Ports, was sich aber bei VDL unter anderem durch Anlauf- und Produktionsschwierigkeiten mit der neu entwickelten Baureihe verzögert hat. Wir hoffen, dass wir uns auf zuverlässige Elektrobusse ab im Laufe des 1. Halbjahres 2026 freuen dürfen.

Thomas Bönisch: Die Elektrobusse werden auf verschiedenen Linien im Einsatz sein. Teilweise schichtet die Rheinbahn Leistungen anderer Betriebshöfe um, da Heerdt nun unser erster vollständig elektrifizierter Betriebshof sein wird.

Der neue E-Bus-Port bietet Platz für 60 Elektrobusse. Also sind noch mehr als die 20 von VDL zu erwarten, oder?

Thomas Bönisch: Genau genommen sind die 20 VDL-Elektrobusse schon der zweite Schritt – aktuell laden wir bereits acht Irizar-Elektrobusse mit Pantographen auf dem Dach täglich im E-Bus-Port und sie sind im Liniendienst unterwegs. Die zwei Irizar-Elektrobusse der ersten Serie, die vom Brand 2021 verschont geblieben waren, haben wir inzwischen mit der Ladetechnik nach Benrath verlegt, von wo aus sie ihre Dienste fahren.

Arne Viertelhausen: Also sind in Heerdt derzeit noch 32 Ladeplätze im E-Bus-Port zu vergeben. Hierzu haben wir Ende 2024 einen weiteren Auftrag über 40 batterie-elektrische Busse an Daimler vergeben, die im Zeitraum vom zweiten Quartal 2026 bis zweites Quartal 2027 ausgeliefert werden sollen. In diesem Zuge werden wir dann auch alle verbliebenen Irizar nach Benrath versetzen und der E-Bus-Port Heerdt wird dann vollständig besetzt sein, mit 20 VDL- und 40 Daimler-Elektrobussen.

2021 hatte ein Brand die Bushalle in Heerdt zerstört. 2025 hat die Rheinbahn den neuen E-Bus-Port eröffnet.

Wie läuft der Ladevorgang im neuen E-Bus-Port in Heerdt ab?

Thomas Bönisch: An der Decke des E-Bus-Ports sind insgesamt 60 Ladepunkte in Form von sogenannten Ladehauben. Mit dem Bus fährt man eine bestimmte Bodenmarkierung auf dem jeweiligen Abstellplatz an und aktiviert dann per Taster vom Fahrerarbeitsplatz aus den auf dem Dach verbauten Pantographen –  ähnlich wie der Stromabnehmer bei einer Straßenbahn. Der Pantograph klappt vollautomatisch aus, kontaktiert die Ladehaube und der Ladevorgang beginnt.

Arne Viertelhausen: Demnächst werden die Elektrobusse zu Abfahrtsbeginn vorkonditioniert sein, das heißt in Abhängigkeit der Außentemperatur werden wir den Bus kühlen oder vorwärmen – das nennt man Vorkonditionierung. Das spart Energie zu Beginn der Linienfahrten und erhöht die Reichweiten. Dafür wird derzeit ein intelligentes Last- und Lademanagement aufgebaut, das sicherstellt, dass alle Busse zeitgerecht voll geladen sind, die Vorkonditionierung vor Abfahrt aktiviert ist und zudem den nötigen Strombedarf intelligent über die nächtlichen Betriebspausen verteilt.

Die VDL-Busse sind im Betriebshof Heerdt stationiert und werden dort auch über die Pantographen aufgeladen