Die Rheinbahn-Definition von „sofort“ – oder: Warum „sofort“ nicht immer „sofort“ ist
Schlägt man im Duden die Bedeutung von „sofort“ nach, findet man dort folgende Definitionen: unmittelbar nach einem bestimmten Geschehen; ohne zeitliche Verzögerung; unverzüglich; innerhalb kürzester Frist. Unsere Fahrgäste werden jetzt schmunzeln, denn sie kennen das Phänomen: Manchmal kommen Bus oder Bahn wirklich unverzüglich, nachdem die Angabe auf den digitalen Anzeigetafeln von „1 Min“ auf „sofort“ umgesprungen ist. Sie kennen aber auch die Situation, dass es gefühlt nochmal eine bis zwei Minuten dauert, bis das Fahrzeug in die Haltestelle einfährt.
Das Rheinbahn „sofort“ ist über Düsseldorfs Stadtgrenzen hinaus bekannt, sorgt für meinungsstarken Gesprächsstoff sowie für humorreiche bis bissige Kommentare in den lokalen Medien oder in den Kommentarspalten der Rheinbahn-eigenen Social Media Accounts. Im Internet wurde es sogar in die Liste der ,Dinge, die ein Düsseldorfer nicht sagt‘ aufgenommen: „Sofort heißt bei der Rheinbahn auch sofort.“
Die Rheinbahn-Definition von „sofort“
Nüchtern betrachtet heißt „sofort“ in unserer Definition: weniger als eine Minute. Auf den digitalen Anzeigetafeln an den Haltestellen springt die Anzeige also von „1 Min“ auf „sofort“ um, wenn die zeitliche Prognose des Zulaufs auf die Haltestelle unter sechzig Sekunden beträgt.
Wichtig zu wissen ist auch, dass die angezeigte Zeit auf den digitalen Tafeln eine Prognose zur Ankunft des Fahrzeugs ist. Bis vor ein paar Jahren bezog sich die Prognose allerdings auf die Abfahrt. Durch die Umstellung von Abfahrtsprognose auf Ankunftsprognose haben viele Fahrgäste das Gefühl, dass die Zeitangaben nun genauer geworden sind. Denn die Angabe von Zeiten wird von Verkehrsunternehmen immer mit „Abfahrt“ angegeben – so zum Beispiel auch bei den im Fahrplan angegebenen Zeiten. Wenn also im Fahrplan steht, an der Heinrich-Heine-Allee fährt der Bus um 13:34 Uhr, dann heißt das für uns, dass der Bus dort um 13:34 die Haltestelle verlässt. Wird eine Fahrgastwechsel-Zeit von einer Minute eingeplant, dann kommt der Bus schon um 13:33 Uhr an der Haltestelle an. Die meisten Fahrgäste verstehen diese Angaben aber so: Der Bus kommt um 13:34 Uhr an der Haltestelle an.
An Haltestellen, an denen Fahrzeuge ihren Linienweg starten, an denen sie eine Standzeit haben oder wo es eine Anschlusssicherung gibt, zeigen die digitalen Anzeigetafeln natürlich weiterhin als zeitliche Prognose die Abfahrt an.
Woher weiß die Anzeigetafel, wann Bus oder Bahn da sein sollen?
Das Ganze funktioniert so, dass unsere Fahrzeuge ihre Standortdaten über Datenfunk an unser Betriebsleitsystem senden. Dieses leitet die Standortdaten weiter an unser Fahrgastinformations-system, an das alle digitalen Anzeigetafeln angeschlossen sind. Im Fahrgastinformationssystem hinterlegt sind die geplanten Fahrplandaten, also Soll-Werte. Durch den Abgleich dieser Soll-Werte mit den Ist-Daten der Fahrzeuge wird eine zeitliche Prognose errechnet und laufend aktualisiert. Das sind die Zeitangaben auf den digitalen Anzeigetafeln – und je näher das Fahrzeug an die Haltestelle kommt, umso kürzer wird die angezeigte Prognosezeit.
Warum „sofort“ manchmal noch dauert
Einfluss auf die angezeigte Prognosezeit hat aber nicht nur der Abgleich der Fahrzeug-Standortdaten mit den hinterlegten Soll-Werten, sondern auch externe Faktoren, die nicht einkalkuliert werden können. Zum Beispiel, wenn das Ein- und Aussteigen der Fahrgäste an einer Haltestelle länger dauert, als im Fahrplan berechnet. Oder es gibt mehr Verkehr als für diese Zeit im Fahrplan eingerechnet ist, das Fahrzeug wird auf dem Weg zur Haltestelle aufgehalten, zum Beispiel durch einen Linksabbieger, einen Falschparker oder Ähnliches, der Bus hängt hinter einem Fahrzeug der Müllabfuhr fest – oder vielen anderen Gründen. Dann kann „sofort“ schon mal länger dauern.
Denn sehr viele Faktoren können Einfluss darauf haben, ob ein Fahrzeug die im Fahrplan definierten Zeiten – und somit auch die auf den Anzeigetafeln eingeblendete Ankunftsprognose – einhalten kann. Denn allein schon das Konstrukt „Fahrplan“ ist kniffelig.
Verbesserungen durch die Umstellung auf Digitalfunk
Mit dem Wechsel von Analog- zu Digitalfunk vor einigen Jahren konnten wir die Zeit-Prognosen ebenfalls deutlich verbessern. Unser früheres Analogfunk-System hatte eine Abdeckung von etwa 70 Prozent. Befand sich ein Fahrzeug in einem Funkloch, in dem etwas passierte, das nicht im Fahrplan eingerechnet war – zum Beispiel ein Stau – merkte das System dies erst, wenn das Fahrzeug aus dem Funkloch heraus kam. Die Differenz zwischen der im Fahrplan hinterlegten Zeit, also der Soll-Zeit, und dem tatsächlichen Standort des Fahrzeugs, der Ist-Zeit, konnte nur ausgeglichen werden, indem die Prognose angehalten wurde, bis berechneter Standort mit dem wahren Standort wieder übereinstimmte. Das heißt, das Runterzählen der zeitlichen Prognose wurde gestoppt. Diese Situation, dass „3 Min“ plötzlich seit sieben Minuten angezeigt wird, haben wohl alle unsere Fahrgäste schon einmal erlebt. Insbesondere bei „sofort“-Prognosen war das natürlich sehr auffällig und hat zu viel Schmunzeln und auch Ärger bei wartenden Fahrgästen geführt.
Dieses Problem haben wir mit dem digitalen Funksystem nun seit einigen Jahren nicht mehr: Die Funkdeckung in Düsseldorf liegt bei annährend 99 Prozent, im Umland bei mehr als 95 Prozent.

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