Warum kommen Busse und Bahnen zu spät?

Wer viel mit unseren Bussen und Bahnen unterwegs ist, hat es ganz sicher schon erlebt: Die Bahn hat Verspätung oder der Bus braucht länger als erwartet – dann verpasst man auch noch seinen Anschluss. Doch warum kommen Busse und Bahnen zu spät? Für Verspätungen gibt es viele Gründe – daher geben wir hier einen Einblick und erklären, wie es zu Verspätungen kommen kann und wie wir versuchen, pünktlicher zu werden.

Wir kontrollieren 600.000 Haltestellenabfahrten pro Tag

Wir überwachen die Pünktlichkeit unserer Busse und Bahnen im laufenden Betrieb in der Leitstelle mit dem Intermodal Transport Control System (ITCS). Unsere Abteilung Verkehrsqualität und Verkehrstechnik analysiert diese Daten langfristig in einem Kontrollsystem: Dieses vergleicht die tatsächliche Abfahrt eines Fahrzeuges an jeder Haltestelle des Linienweges mit der für diese Fahrt im Kursumlaufplan vorgesehenen Abfahrtzeit. An einem Wochentag werden etwa 300.000 einzelne Haltestellenabfahrten auf ihre Pünktlichkeit überprüft. Als pünktlich gelten Haltestellenabfahrten, die weniger als eine Minute verfrüht und weniger als drei Minuten verspätet sind. Ziel ist es eine Pünktlichkeit bei der Bahn von mindestens 83 Prozent und beim Bus von mindestens 80 Prozent zu erreichen. Aber wir wissen natürlich, dass es für jeden Fahrgast ärgerlich ist, wenn seine Bahn zu spät kommt. Wir fahren ja selbst auch jeden Tag mit der Rheinbahn. Gerade in der Hauptverkehrszeit fahren natürlich mehr Fahrgäste mit uns. Das führt zu längeren Ein- und Ausstiegszeiten und zu Verzögerungen der Abfahrt durch zum Beispiel häufiger blockierten Türen. Im Berufsverkehr fahren wir auf einigen Linien im dichteren Takt – wenn also ein Fahrzeug verspätet abfährt oder aufgehalten wird, dann ist davon auch schnell das Folgefahrzeug betroffen.

Verspätungen durch Staus

Gerade im Berufsverkehr sind die Straßen oft total verstopft – die vielen Autos in der Großstadt verursachen Staus.  Und diese Staus sind der größte und schwerwiegendste Grund für Verspätungen im Rheinbahn-Bedienungsgebiet. Unsere Fahrzeuge teilen sich die Straße mit anderen Verkehrsteilnehmern, da sie nur an wenigen Stellen durch Tunnel oder über eigene Trassen fahren.

Da wir meistens im Individualverkehr mitfahren, stehen unsere Busse und auch der größte Teil unserer Bahnen genau wie ein normales Auto im Stau. Das ist zu den Hauptverkehrszeiten, wenn alle in und um Düsseldorf auf dem Weg zur Arbeit und nachmittags auf dem Heimweg sind, der größte Verspätungsfaktor. Dabei gilt, je länger die Strecke ist, die Bus oder Bahn zurücklegen müssen, desto anfälliger sind sie für Störungen. Vor allem sieht man das an den Buslinien, die über die Autobahnen in die Nachbarstädte Düsseldorfs fahren. Morgens entstehen meist Verspätungen stadteinwärts und nachmittags auf dem Weg aus der Stadt heraus.

Störung Stau

Die Analysen des Fachbereichs Verkehrsqualität und Verkehrstechnik zeigen, dass es außerhalb des Berufsverkehrs kaum zu Verspätungen kommt. Daher erarbeiten die Kollegen Vorschläge zur stetigen Verbesserung der Pünktlichkeit: Maßnahmen, um unabhängig vom Individualverkehr zu werden, gibt es reichlich. Die beste Lösung ist die Schaffung eigener Busspuren oder Gleiskörper nur für unsere Fahrzeuge.

Abschraffur Flurstraße

In Zukunft soll es weitere dieser Spuren geben, um die Bahnstrecken immer unabhängiger von Staus zu machen. Gemeinsam mit der Stadt Düsseldorf analysieren wir, ob und wo eine Trasse nur für die Bahn funktioniert, also ob die Bahn gut an den anderen Verkehrsteilnehmern vorbeikommt und ob sie den restlichen Verkehr zu stark beeinflusst. Auf der Flurstraße wurde stellenweise eine Spur für unsere Fahrzeuge nach erfolgreicher Testphase am 23. Oktober 2019 fest markiert.

Gerade zu Stoßzeiten wie dem Berufsverkehr ist der ÖPNV dann attraktiv, wenn es mit Bus und Bahn schneller geht als im Individualverkehr. Die Umweltspuren sind ein gutes Beispiel: Es geht sehr viel schneller, als wenn wir im Gesamtverkehr mitfahren. Mehr Unabhängigkeit vom Individualverkehr durch eine grundsätzliche Bevorrechtigung für den ÖPNV ist also entscheidend für eine erfolgreiche Verkehrswende.

Eine weitere Maßnahme ist die automatische Ampelvorrangschaltung, die den Bussen und Bahnen der Rheinbahn Vorfahrt gewährt. Gemeinsam mit dem Amt für Verkehrsmanagement der Stadt Düsseldorf setzen wir diese Vorrangschaltung der Signalanlagen in Düsseldorf und den Nachbarstädten um. Die Fahrzeuge der Rheinbahn werden dann bevorzugt durchgelassen, indem die Ampeln auf freie Fahrt schalten, wenn ein Bus oder eine Bahn kommt. Das trägt dazu bei, dass die Fahrzeiten zwischen den einzelnen Haltestellen über den Tag stabil bleiben.

Baustellen auf der Strecke

Baustellen müssen sein – sei es, weil wir unser Netz vergrößern und neue Schienen legen, weil wir alte Weichen durch neue ersetzen müssen, weil Haltestellen barrierefrei werden sollen oder aber, weil eine Stadt etwas umbaut. Für unsere Fahrgäste sind diese Zeiten oft mit weiteren Laufwegen, Umsteigen oder anderen Einschränkungen verbunden. Aber durch den Um- oder Ausbau erhöht sich der Komfort.

Am Heerdter Krankenhaus gibt es beispielsweise zurzeit eine Großbaustelle, die die Bahnen in Richtung Eller deutlich beeinträchtigt. Sie steht erstens sehr lange an der Baustellen-Ampel und kommt nicht pünktlich weg. Danach gilt für unsere Bahnen eine Langsamfahrstrecke auf über 450 Metern. Von Eller aus fahren die Bahnen allerdings wieder pünktlich in Richtung Neuss los, hier verkürzt sich dann die Wendezeit für unsere Fahrer.

Verzögerungen durch unvorhersehbare Ereignisse

Verkehrsunfälle und Falschparker sorgen fast täglich für Verspätungen. Unfälle mit Autos entstehen vor allem durch verkehrswidriges Linksabbiegen: Wenn ein Autofahrer plötzlich nach links auf die Gleise fährt, weil er schnell abbiegen möchte, kann die Bahn mit ihrem langen Bremsweg und ihrer Bindung an die Schienen einen Unfall nicht vermeiden.

Neben Unfällen mit unseren Fahrzeugen sorgen auch Fremdunfälle für Verspätungen: Wenn im Schienenbereich zwei Autos kollidieren, muss die Bahn warten, bis die Strecke wieder frei ist.

Leider werden unsere Gleise auch häufig durch Falschparker blockiert: Jemand parkt sein Auto auf oder zu nah an den Gleisen, weil er zum Beispiel „nur mal eben zum Bäcker“ möchte.

Wenn die Bahn genau in diesem Moment vorbeifahren muss, führen ein paar Minuten beim Bäcker zu einem stehenden Fahrzeug und einer Verzögerung. Die Bahn und alle Fahrgäste müssen abwarten, bis der Fahrer des im Weg stehenden Fahrzeugs auftaucht und sein Auto wegfährt. Erst dann kann die Fahrt weitergehen. Deshalb müssen unsere Fahrgäste der Linie U71 rund um den Knotenpunkt Brehmplatz oft warten: Die Rethelstraße ist eine belebte Einkaufsstraße mit vielen Fußgängern und Zweite-Reihe-Parkern und die Bahn hat keine eigene Fahrspur, sondern schlängelt sich durch die Pkws.

Auch werden Störungen im Betriebsablauf, die unsere Leitstelle dokumentiert, von der Fachabteilung untersucht. Gibt es einen Punkt, wo sich Störungen häufen, wird vor Ort geschaut, woran das liegen kann. Ein Beispiel ereignete sich am Düsseldorfer Hauptbahnhof: Dort fuhren Autos vermehrt auf dem Parkstreifen zu weit vor und waren dadurch der Bahn im Weg. Aus diesem Grund haben wir im September eine Art „Bremsbordstein“ installiert, dieser verhindert, dass Autos zu weit auf dem Parkstreifen nach vorne fahren. Seit der Einrichtung kam es dort nicht mehr zu Störungen.

Falschparker Hauptbahnhof

Pro Tag entstehen durch Falschparker mehr als 30 Minuten Verspätung. Deshalb geht die Rheinbahn aktiv gegen Falschparker vor: Wir können mittlerweile eigenständig abschleppen und eine Drittanzeige beim Ordnungsamt erwirken.

Das ganze Jahr über behindern auch Demos, Schützen- oder andere Brauchtumsumzüge unsere Busse und Bahnen. Das passiert zwar meistens mit Vorankündigung, verärgert unsere Fahrgäste aber trotzdem. Zu weiteren täglichen Verspätungen gehören Polizei- oder Feuerwehreinsätze, Fahrzeuge der Müllabfuhr, Paketdienste und andere Lieferfahrzeuge auf den Linienwegen, die unsere Fahrerinnen und Fahrer teilweise nicht überholen können.

Manche solche Beeinträchtigungen betreffen nur das jeweilige Fahrzeug unmittelbar vor oder nach der Störung, wenn zum Beispiel der Polizei- oder Feuerwehreinsatz schnell vorüber ist. Dann lassen wir unser Fahrzeug kurz warten statt eine Umleitung einzurichten. Wenn ein Streckenabschnitt aber für längere Zeit nicht befahrbar ist, organisiert unsere Leitstelle schnellstmöglich Umleitungen der Folgezüge über andere Linienwege und sogenannte Betriebsstrecken, also Abzweige, die normalerweise nicht genutzt werden. Über die Leitstelle und wie die Mitarbeiter uns täglich hinter den Kulissen unterstützen, gibt es hier mehr Infos.

Kurz gesagt: Es gibt viele Gründe, warum Busse und Bahnen sich mal verspäten und nicht alle davon lassen sich beeinflussen oder schnell beheben. Aber unsere Fahrgäste sollen wissen, wenn sie noch auf ihren Bus oder ihre Bahn warten müssen. Deshalb verbessern wir kontinuierlich unsere Fahrgastinformationen: Verständlichere Durchsagen in den Bahnen und Bussen, die die Fahrer automatisch abspielen können, und klarere Informationen an den dynamischen Anzeigen an den Haltestellen.

Natürlich sind das nicht alle Gründe, die zu Verspätungen führen. An Bussen und Bahnen treten – trotz regelmäßiger Wartung – immer mal Probleme auf. Bei unseren Stadtbahnen liegt das teilweise am Alter und der damit extrem hohen Laufleistung. An dem Thema sind wir aber dran: Insgesamt investieren wir bis 2024 rund 450 Millionen Euro in neue Fahrzeuge. Dazu gehören insgesamt 59 HF6 Fahrzeuge. Vor dem Einsatz im Fahrgastverkehr müssen wir natürlich zunächst unsere Fahrer schulen, damit beginnen wir direkt im Januar. Die HF6-Bahnen sollen zunächst vorrangig auf den Stadtbahnlinien U75 eingesetzt werden.

Auch das Angebot verbessern wir: Im Zuge unserer Qualitätsoffensive haben wir ein neues Tool eingeführt, das uns hilft, genau zu analysieren, wann zusätzliche Fahrten sinnvoll sind. Wir werden zum Beispiel unser Angebot bei der U79 in morgendlichen Spitzenzeiten entsprechend verstärken.

Mehr Angebot, sprich mehr Fahrten, heißt aber nicht nur mehr Fahrzeuge, sondern auch mehr Fahrerinnen und Fahrer: In diesem Jahr haben wir über 250 Kolleginnen und Kollegen für den Fahrdienst eingestellt und ausgebildet. Um ein attraktiverer Arbeitgeber zu werden, haben wir die Arbeitszeitmodelle im Fahrdienst angepasst und verbessert, um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden und dabei Belastungen gleichmäßig zu verteilen.

Joelina Arndt

Informationen zur Autorin:

Joelina Arndt ist Praktikantin in der Unternehmenskommunikation. Sie hat ihren Bachelor an der Heinrich-Heine-Universität in Linguistik abgeschlossen und studiert jetzt Angewandte Sprachwissenschaften.