Das Herzstück der Rheinbahn

„Hier spricht die Rheinbahn-Leitstelle“ – unsere Fahrgäste haben diesen Satz bestimmt schon mal gehört. Doch was genau die Leitstelle eigentlich macht, darunter können die wenigsten sich etwas vorstellen.

Ohne die Leitstelle geht nichts, keine Bahn und kein Bus kann fahren. Abläufe überwachen, Funkrufe entgegennehmen, den Verkehrsdienst bei Einsätzen koordinieren und bei Störungen oder Unfällen die Rettungsdienste informieren, Umleitungen festlegen, die Fahrer lotsen und parallel die Fahrgäste informieren – das ist nur eine grobe Übersicht über das ‚Tagesgeschäft‘ der 36 Mitarbeiter der Leitstelle. „Wobei der Ausdruck ‚Tagesgeschäft‘ hier irreführend sein mag,“ erklärt Dirk Ostrowski, Sachgebietsleiter für die Leitstelle, „denn die Leitstelle als elementarer Faktor unseres Betriebs ist 24 Stunden und sieben Tage die Woche besetzt – in der Früh- und Mittelschicht mit sieben und im Nachtdienst mit vier Mitarbeitern.“

Kleine Störung oder großer Unfall?
„Kein Tag ist hier wie der andere und keine Störung gleich,“ so begrüßt mich Thomas Schiff, Verkehrsmeister und Leitstellen-Disponent beim Besuch in der Leitstelle. „Wir wissen nie, was uns in einer Schicht erwartet – ‚nur‘ das Übliche wie kleine Unfälle mit Blechschäden, ein Fahrer der polizeiliche Unterstützung braucht, weil Fahrgäste ihn bedrohen, ein Unfall zwischen zwei Autos der unsere Schienen blockiert oder gar Ausnahmesituationen wie ein Unfall mit einem Mensch, die Evakuierung eines U-Bahnhofs oder eine kurzfristige Bombenentschärfung, bei der viele Linien Umleitungen fahren und Fahrer und Fahrgäste schnell informiert werden müssen.“
Ein Job in der Leitstelle erfordert, den Ernst einer Situation richtig einschätzen zu können und Handlungsanweisungen auch in Krisensituationen ruhig an die Fahrer weiterzugeben. „Wir müssen uns immer bewusst sein, dass Entscheidungen zwar schnell, aber auch durchdacht getroffen werden müssen,“ betont Schiff die Verantwortung aller Leitstellen-Mitarbeiter. Zimperlich darf man hier nicht sein, Unfälle mit Personen bekommt man über Funk oder Videoleinwand mit – noch bevor der Rettungswagen vor Ort eintrifft.

Drei Disponenten für unsere Bahnen und Busse
Es gibt drei Disponenten-Arbeitsplätze – zwei betreuen die Schiene, also alle unsere Bahnen, der dritte Arbeitsplatz betreut die Busse. Es können aber alle Disponenten an allen drei Plätzen auf die verschiedenen Funkrufe zugreifen und den Fahrern helfen, wenn der zuständige Kollege noch mit einem anderen Fall beschäftigt ist. Denn die Funkrufe müssen ja weiter bearbeitet und dokumentiert werden. „Das führt teilweise auch zu Wartezeiten am Funk für die Fahrer, denn es disponieren schließlich nur diese drei Mitarbeiter die gesamte Rheinbahnflotte,“ verdeutlicht Dirk Ostrowski das Arbeits- und Verantwortungspensum. Durchschnittlich nehmen diese drei Disponenten in einer ruhigen Zeit rund 25 Funkrufe pro Stunde an – während Stoßzeiten, Messen, Fußballspielen oder anderen Großveranstaltungen ist das Stresslevel deutlich höher.
Funkrufe haben ganz unterschiedliche Gründe: neben den schlimmsten Szenarien Überfall oder Unfall, welche automatisch priorisiert werden, melden die Fahrer aus unseren Fahrzeugen über Funk der Leitstelle zum Beispiel, wenn sie Probleme mit ihrem Fahrzeug haben oder auf der Strecke kein Signal bekommen. Aber auch, wenn Fahrgäste im Fahrzeug oder an den Haltestellen ärztliche Hilfe brauchen oder den Fahrern etwas auffällt, zum Beispiel eine Weiche, die verdreckt ist, oder eine mutwillig zerstörte Haltestelle. Die Leitstelle ist also die erste Anlaufstelle für unsere Fahrer, wenn irgendetwas unplanmäßig läuft. Andersherum ist die Leitstelle aber auch auf die sofortige Information durch die Fahrer angewiesen, um schnellstmöglich handeln und somit größere Verzögerungen verhindern zu können.
Die Kollegen an diesen Disponenten-Arbeitsplätzen koordinieren auch die Funkwagen unseres Verkehrsdienstes. Kann ein Fahrer eine Situation oder eine Störung am Fahrzeug nicht alleine lösen oder hat einen Unfall, fährt unser Verkehrsdienst direkt dort hin und unterstützt den Fahrer vor Ort, sichert die Unfallstelle und nimmt den Unfall mit der Polizei zusammen auf.

Signale frei für eine sichere Fahrt im Tunnel
Im Stellwerk gibt es zwei Arbeitsplätze, einen für den U-Bahntunnel rund um den Hauptbahnhof und einen für den neuen Wehrhahntunnel. Die Hauptaufgabe der Stellwerker ist das Überwachen des reibungslosen Fahrbetriebs im Tunnel, denn die richtigen Signale für die Bahn gibt es von den elektronischen Systemen. Im Bereich zwischen Tonhalle, Ronsdorfer Straße, Kennedydamm und Kaiserslauterner Straße fahren die U-Bahnen mit dem System der linienförmigen Zugbeeinflussung (LZB) ja sogar automatisch – aber auch das wird von den Kollegen im Stellwerk überwacht. Gibt es eine Störung, greifen sie sofort ein. Im neuen Wehrhahntunnel sind die Fahrer wieder selbst gefragt – denn hier gibt es nur eine punktförmige Übertragung (PZB) mit kontinuierlicher Überwachung der Bahnen. Das richtige Fahrsignal kommt zwar auch hier vom System, dass die Züge und ihre Ziele erkennt, aber die Fahrer fahren allein und bekommen Signale, ähnlich wie Autofahrer an Ampeln. Missachten sie ein Signal, wird die Bahn im Tunnel zwangsgebremst. Auch diese Prozesse werden von den Mitarbeitern des Stellwerks überwacht.

Info und Hilfe auf Knopfdruck
Große Videoleinwände und drei Monitore für das gleichzeitige Aufschalten von bis zu 27 Überwachungskameras sowie Zugriff auf die Lautsprecheranlagen und ein ständig klingelndes Telefon: Der Disponent am Info-Arbeitsplatz hat immer viel zu tun. Er nimmt Rufe der Fahrgäste über die Notruf- und die Infosäulen entgegen. Hier können bei Bedarf auch die Bilder der Überwachungskameras auf große Monitore gezogen werden – zum Beispiel, wenn ein Fahrgast einen Notruf absetzt oder sich für ein sichereres Gefühl bis zur Ankunft seiner Bahn beobachten lassen möchte. Drücken Wartende aus Spaß wiederholt den Notruf, gibt’s von den Kollegen mal einen strengen Hinweis auf den Sinn eines Notruf-Tasters. Am Infoplatz gehen auch die Rufe aus Fahrstühlen ein – hier koordinieren die Mitarbeiter dann schnell Kollegen vom Service-Team, falls ein Fahrgast Hilfe braucht oder ein Aufzug ausgefallen ist. Durchsagen in den U-Bahnhöfen oder in den Fahrzeugen gehören ebenso zu den Aufgaben wie das Eintragen von Störungen auf den dynamischen Anzeigetafeln (DyFas) an unseren Haltestellen. Auch in unsere VerkehrsInfo tragen die Kollegen die Störungen ein. Die VerkehrsInfo können Fahrgäste über unsere Homepage, als abonnierten Newsletter oder in unserer App aufrufen, um sich so jederzeit über die aktuelle Situation auf den Linien zu informieren. Die Kollegen vom Infoplatz informieren bei größeren Störungen uns von der Pressestelle, damit wir die Fahrgäste zusätzlich über Facebook und über die Homepage informieren können.

Hier läuft die Technik zusammen
Zur Leitstelle gehört auch die technische Schaltwarte. Sieben Mitarbeiter überwachen hier rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr alles, was mit Strom und Technik zu tun hat – vom Fahrstrom der Bahnen, der Beleuchtung an den Haltestellen und U-Bahnhöfen über die Lautsprecher- und Brandmeldeanlagen bis hin zu Rolltreppen und Aufzügen. Bleibt irgendwo ein Aufzug stehen, können die Mitarbeiter der technischen Schaltwarte das direkt auf einem Bildschirm sehen. Wenn zum Beispiel ein Feuerwehreinsatz oder ein schlimmer Unfall geschieht und Einsatzkräfte an die Bahn müssen, kann die technische Schaltwarte sofort den Strom der Oberleitungen rund um den Einsatzort abschalten.
Thomas Schiff betont: „Damit im Störungsfall alles barrierefrei und schnell ablaufen kann, arbeiten Disponenten, Stellwerker und technische Schaltwarte sehr eng und sehr gut zusammen.“

Zwischen ruhig und Chaos wechselt es hier innerhalb von Sekunden
„Wir sind quasi die Feuerwehr“ charakterisiert Thomas Schiff zum Abschluss den Job der Leitstelle. Von lustigen Vorfällen am Funk, Kopfschütteln über ungewöhnliche Vorkommnisse bis hin zur Ausnahmesituation bei der alle mit anpacken und jeder weiß, was zu tun ist – wenn man sieht, welche Verantwortung hier zusammenläuft, versteht man, warum die Leitstelle das Herzstück unseres Betriebs ist. Als Fahrgast bekommt man zwar meist nur die Durchsagen mit, aber am Ende sorgt die Leitstelle dafür, dass es bei den vielen Problemen und Störungen, die sich bei so einem großen Bedienungsgebiet und der Vielzahl an Fahrzeugen und Fahrgästen nicht vermeiden lassen, immer schnellstmöglich weitergeht. Erlebt man mit, unter welchem Hochdruck und mit welcher Verantwortung die Kollegen hier im Ernstfall handeln, dann erst bekommt man ein Gefühl dafür, was hier alles zum ‚Tagesgeschäft‘ gehört.

Über den Autor:

Katharina Natus
In der Unternehmenskommunikation der Rheinbahn angesiedelt, betreut Katharina Natus auch den Bereich Social Media. Da Informationen und Hintergrundwissen Abläufe nachvollziehbar machen, motiviert sie das, im Blog Einblicke rund um die Rheinbahn zu ermöglichen.

Ein Kommentar

  1. Tim 12. Januar 2017 um 15:21 Uhr - Antworten

    Tolle Sache die ihr da macht!

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